2. Zentralschweizer Naturtagung

Programm und Zusammenfassungen

Ab 12.15 Uhr

Kaffee und Kuchen
Büchertisch und Informationen über Vögel sowie Naturförderung und -schutz
Von 9 bis 13 Uhr ist zudem die Bibliothek der Vogelwarte geöffnet

13.00 – 13.10 Uhr

Begrüssung
Matthias Kestenholz, Schweizerische Vogelwarte Sempach

13.10 – 13.50 Uhr

© Manfred Steffen

Teichperlenkette: Wie schaffen wir gemeinsam erfolgreich und motiviert ökologische Infrastruktur?
Manfred Steffen, Präsident Verein Lebendiges Rottal und Vorstandsmitglied Verein Karpfen pur Natur
Von den Teichanlagen der Zisterziensermönche sowie den grossflächigen Feuchtgebieten wie Wässermatten, Mooren und Pfeifengraswiesen ist heute rund um Pfaffnau nur noch ein Flickenteppich geblieben. Mit dem Projekt «Teichperlenkette» werden auf verschiedenen Ebenen Impulse zur regionalen und landschaftlichen Entwicklung gegeben. Tragende Säulen des Projekts sind Artenförderung, Landschaftsentwicklung, Naturerlebnis, Bildung und Wertschöpfung. Wie schaffen wir es Impulse zu setzen, damit geschaffene Lebensräume erhalten bleiben, sich entwickeln und damit Ökosystemdienstleistungen erbringen können? Welche Aspekte machen grossräumige Förderprojekte möglich und erfolgreich? Ausgehend von diesem Projekt des Vereins «Karpfen pur Natur» werden Themen beleuchtet, die motivieren sollen im Grossen zu denken, im Kleinen unermüdlich dran zu blieben und so Wertvolles für eine ökologische Infrastruktur beizutragen.

13.50 – 14.10 Uhr

© BirdLife Schweiz

Puzzleteile zum Auf- und Ausbau der ökologischen Infrastruktur im Kanton Luzern
Peter Ulmann, Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, Dienststelle Landwirtschaft und Wald, Kanton Luzern
Der Auf- und Ausbau der Ökologischen Infrastruktur von der Ist- zur Soll-Situation läuft auf verschiedenen Themen und in ganz unterschiedlichen Massstäben. Die Aufgabe gleicht einem Puzzle, das als Generationenaufgabe Stück für Stück zusammengefügt werden muss, um Vielfalt und Ökosystemleistungen bestmöglich zu wahren. Es werden verschiedene Bausteine wie Kleintierdurchlässe, Gewässerräume, Wildtierkorridore, Moorrevitalisierungen, Siedlungsgrünräume, Wildrückzugsräume oder Waldnaturschutzgebiete als Aufgabenfelder des Kantons beleuchtet und am Beispiel der Wildtierkorridore vertieft.

14.10 – 14.30 Uhr

© Michael Gerber

Genetische Fingerabdrücke zeigen die Vernetzung der Schwyzer Auerhuhnvorkommen
Pierre Mollet, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Das Auerhuhn galt bislang als wenig mobile Vogelart. Neuere Studien zeigen aber, dass die Mobilität dieser Art wesentlich grösser ist. Mit einer dieser Studien wollte man im Kanton Schwyz die Populationsgrösse möglichst genau schätzen. Genetische Fingerabdrücke, erstellt aus Kot, ermöglichen die zuverlässige Identifikation und Wiedererkennung einzelner Individuen. Findet man Kot desselben Individuums an verschiedenen Orten, lassen sich räumliche Bewegungen dokumentieren. Die Resultate aus dem Kanton Schwyz zeigen, (a) dass Auerhühner durchaus in der Lage sind, grössere Distanzen zurückzulegen, (b) dass sie das vermutlich wesentlich häufiger tun als früher angenommen, und (c) dass die Auerhuhnvorkommen im Kanton gut vernetzt sind.

14.30 – 14.50 Uhr

© Albert Krebs

sorbus – eine Möglichkeit der regionalen Gehölzvermehrung
Silvana Dober, sorbus, und Alex Theiler, Theiler Landschaft GmbH
Sorbus ist eine Baumschule, die vorwiegend Sträucher vermehrt. Das Saatgut stammt aus autoch­thonen Beständen einerseits in den Voralpen, andererseits im Innerschweizer Mittelland. Es soll verringert werden, dass das Vermischen von Pflanzen mit unterschiedlicher Herkunft zur genetischen Nivellierung führt. Die genetische Vielfalt ist eine wichtige Säule der Biodiversität und geht in der Naturschutzpraxis gerne vergessen. Sie ist Voraussetzung, damit Lebewesen auf Veränderungen des Lebensraums, der Umwelteinflüsse oder Krankheiten reagieren können. Für Bestände und damit für die gesamte Art ist genetische Vielfalt deshalb überlebenswichtig. Wir stellen das Baumschulprojekt «sorbus – gehölze für die innerschweiz» vor, erläutern, was unsere Hoffnungen sind, welche Schwierigkeiten wir haben und wie wir die Qualität erhalten.

14.50 – 15.30 Uhr

Pause

15.30 – 15.50 Uhr

© Albert Krebs

Trockenmauer: Kulturelement mit Naturwerten
Thomas Ziegler, Amt für Raumentwicklung, Abteilung Natur und Landschaft, Kanton Uri
Trockenmauern sind Kulturelemente, die dank der guten Einpassung und der sanften Bauweise wertvolle Landschaftswerte darstellen. Trockenmauern dienen zahlreichen spezialisierten Pflanzen- und Tierarten als Lebensraum. Instand gestellte Trockenmauern machen Freude und stellen einzigartige Biotope dar, obwohl beim Bau von Trockenmauern keine naturschützerischen Werte im Vordergrund standen. Trockenmauern dienten als Abgrenzung und zur Sicherung von Hängen. Der Natur- und Landschaftswert von Trockenmauern sind für den Kanton Uri Grund genug, Anstrengungen bei deren Instandstellung zu fördern und zu unterstützen. Neben reinen Trockenmauern wird auch die Instandstellung traditioneller Mörtelmauern begünstigt. Neben Gemeinden, Kanton und Bund unterstützen auch diverse Stiftungen die Anstrengungen im Bereich der Erhaltung des alten Kulturgutes.

15.50 – 16.10 Uhr

© Frank Vassen

Quellen: Ein verkannter Lebensraum rückt in den Fokus
Miriam Peretti, Pro Natura Luzern
Orte, an denen kühles, reines Wasser aus dem Boden sprudelt, haben Menschen seit jeher fasziniert. Quellen fielen aber bei Behörden und Naturschutzorganisationen lange zwischen Stuhl und Bank. Niemand fühlte sich zuständig oder das Wissen über diesen Lebensraum fehlte. Dabei gehören Quellen zu den meistbedrohten Lebensräumen und beherbergen rund 100 spezialisierte Tierarten. Mit der 2018 gestarteten «Aktion Biber & Co.» möchte sich Pro Natura unter anderem für den Erhalt dieses wertvollen Lebensraums einsetzen. Natürliche Quellaustritte sollen geschützt und verbaute oder zerstörte Quellaustritte revitalisiert werden. 2019 konnte im Kanton Luzern ein erstes Pilotprojekt umgesetzt werden.

16.10 – 16.30 Uhr

© Marcel Burkhardt

Gewässerräume: Chance oder Falle?
Christa Glauser, BirdLife Schweiz
Natürliche Gewässer und ihre Auen zählen zu den artenreichsten Lebensräumen. Ein Netz von natürlichen Gewässern bildet einen Teil der ökologischen Infrastruktur. Sind Gewässerräume und Auen entlang der Gewässer grosszügig ausgeschieden, sind sie auch Trittsteine und Vernetzungselement für zahlreiche andere Arten. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, den Gewässerräumen in der Naturförderung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Fokus wird auf die biologische Bedeutung und die Funktionen von Gewässerräumen gelegt. Gleichzeitig werden die rechtlichen Aspekte erläutert und aufgezeigt, wie Gewässerräume in der Nutzungsplanung einzubeziehen sind. Dabei steht im Zentrum, welche Rolle lokale Naturschutzvereine oder interessierte Personen bei der Festsetzung und Gestaltung übernehmen können.

16.30 – 16.50 Uhr

© Davide Scridel

Schneesperling – das Leben als Hochgebirgsspezialist
Christian Schano, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Als ausgesprochener Hochgebirgsspezialist lebt der Schneesperling ganzjährig oberhalb der Baumgrenze. Diese Spezialisierung stellt ihn allerdings vor allem wegen der rasanten Veränderungen unseres Klimas vor besondere Herausforderungen. In einer europaweit vernetzten Arbeitsgruppe untersuchen Forscherinnen und Forscher deshalb dessen Verbreitung und Anpassungen an das besondere Leben im Hochgebirge. Die spannenden Untersuchungen erlauben uns nicht nur, diese Charakterart der Gebirge Europas besser zu verstehen, sondern zeigen auch, was wir tun können, um dem Schneesperling zu helfen.

16.50 – 17.00 Uhr

Fazit und Schluss der Tagung
Matthias Kestenholz, Schweizerische Vogelwarte Sempach

Ab 17.00 Uhr

Apéro mit biodiversen Häppchen

Programm als PDF