6. Zentralschweizer Naturtagung

Programm

Programm als PDF

 

Ab 12.00 Uhr

Kaffee und Kuchen
Büchertisch und Informationen über Vögel und Naturschutz
Von 9 bis 13 Uhr ist zudem die Bibliothek der Vogelwarte geöffnet

 

13.00 – 13.10 Uhr

Begrüssung
Maria Jakober

 

13.10 – 13.50 Uhr

Mission Dunkelheit: jedem Biotop natürliches Licht
Lukas Schuler, DarkSky Switzerland

Lichtverschmutzung © Wiki/J. Däpp

Natürliche Dunkelheit ist in unseren dicht besiedelten Landschaften fast verschwunden. Dabei ist sie für Menschen, Tiere und Pflanzen ebenso wichtig wie das Tageslicht. Einige Kantone beginnen deshalb, Dunkelkorridore auszuscheiden und konkrete Massnahmen umzusetzen. Lokale Gegebenheiten wie die Topografie können genutzt werden, um Zonen mit naturnaher Dunkelheit zu bewahren. Auch die Vollzugshilfe mit ihrem 7-Punkte-Plan, die Richtwerte gegen Blendung und Aufhellung sowie neue Technologien helfen, das nächtliche Licht zu reduzieren. Was zunächst dem Menschen dient, schützt zugleich die nachtaktive Tierwelt. Jeder Beitrag zählt: vom Abschirmen einer Lampe über den Einsatz warmweisser Leuchtmittel bis zum Verzicht auf unnötige Beleuchtung. So bleibt die Qualität von Biotopen auch in der Nacht erhalten.

13.50 – 14.10 Uhr

Problematik Vögel und Lichtverschmutzung
Barbara Helm, Schweizerische Vogelwarte Sempach

Vogelzug vor dem Vollmond © Hans Schmid

Tiere haben sich über Jahrmillionen an den täglichen und saisonalen Rhythmus von Tag und Nacht angepasst. Für Vögel sind diese Zyklen entscheidend für die Orientierung, das Zugverhalten und die Fortpflanzung. Künstliches Licht ist eine Neuerung, die diese Signale stört: Nachtziehende Arten werden angezogen und fehlgeleitet, andere beginnen mitten in der Nacht zu singen. Besonders Zugvögel leiden, weil sie von Lichtquellen irritiert werden und wertvolle Energie verlieren. Dass sich das tages- und jahreszeitliche Verhalten verändert, zeigt sich eindrücklich, wenn Rotkehlchen oder Amsel nachts unter Strassenlaternen singen. Der Vortrag macht deutlich, wie umfassend Lichtverschmutzung das Verhalten von Vögeln beeinflusst – mit besonderem Schwerpunkt auf den Vogelzug.

14.10 – 14.30 Uhr

Wildhutaufgaben zur Nachtzeit
Daniel Schmid, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Kanton Luzern

Bestandserhebungen von Wildtieren mittels Wärmebildtechnik © Daniel Schmid

Die Luzerner Wildhut ist auch nachts im Einsatz. Für die Jagdplanung müssen Bestände nachtaktiver Arten erhoben werden, etwa mit Wärmebildtechnik. Pilotversuche mit Drohnen liefern erste Erfahrungen beim Nachweis heimlich lebender, v.a. geschützter Arten wie dem Auerhuhn – und dies störungsärmer als frühere Feldsuchen. Weitere Aufgaben wie Kontrollen oder Schutzmassnahmen erfolgen ebenfalls in der Dunkelheit. Gerade weil viele Wildtiere nachts aktiv sind, ist ein Nachtjagdverbot im Wald sinnvoll. Moderne Technik erleichtert die Arbeit und ermöglicht Einblicke, die noch vor wenigen Jahren kaum möglich gewesen wären. Der Vortrag zeigt die Vielfalt nächtlicher Aufgaben der Wildhut und wie dadurch ein besseres Verständnis für Wildtiere entsteht.

 

14.30 – 14.50 Uhr

100 neue Weiher: wie weiter?
Roger Hodel, Hodel Landschaftsarchitektur

Eine der neu geschaffenen Weiher im Luzerner Seetal © Roger Hodel

Amphibien gehören zu den gefährdetsten Tiergruppen der Schweiz: Fast 80 % der Arten stehen aktuell auf der Roten Liste. Deshalb wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte zur Förderung ihrer Lebensräume gestartet. Zwischen 2012 und 2016 entstanden allein im Rahmen des Stillgewässerprojekts Luzern Nord über 80 neue Weiher, Tümpel und Nassmulden, 30 wurden saniert und über 3500 Laufmeter Bäche und Gräben aufgewertet. Doch wie entwickeln sich diese Gewässer heute? Werden sie gepflegt und welche Arten profitieren tatsächlich? Erste Ergebnisse zeigen Erfolge, aber auch Herausforderungen in der langfristigen Betreuung. Anhand konkreter Beispiele und Bildern bietet der Vortrag einen Überblick über die bisherigen Anstrengungen und wagt einen Ausblick auf die nächsten Jahre.

 

14.50 – 15.30 Uhr

Pause

 

15.30 – 15.50 Uhr

Fledermäuse – heimliche Jägerinnen der Nacht
Michèle Odermatt, Theiler Landschaft und Regionale Koordinationsstelle Fledermausschutz Nidwalden

Kleine Hufeisennase © Flickr/Martin Grimm

Lautlos und flink jagen Fledermäuse in der Dunkelheit nach Insekten, gesteuert durch ihr faszinierendes Echoortungssystem. Im Sommer bilden Weibchen sogenannte Wochenstuben, wo sie gemeinsam die Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Im Herbst, wenn Insektendichte und Temperaturen zurückgehen, ziehen sie sich in geschützte Winterquartiere zurück. Die Kleine Hufeisennase, einst in der Schweiz weit verbreitet, war um 1940 stark bedroht. Langsam erholt sich ihr Bestand wieder. In Obwalden überlebte sie, seit einigen Jahren wurden auch in Nidwalden und 2024 erstmals im Kanton Luzern Wochenstuben nachgewiesen. Als strukturgebundene Fliegerin benötigt die Kleine Hufeisennase vernetzte Landschaften zwischen Wochenstubenquartier und Jagdgebiet (Wald) mit Hecken, Waldrändern oder Obstgärten. Der Vortrag gibt einen Einblick in das Leben dieser kleinen Fledermaus.

15.50 – 16.10 Uhr

Vielfältige Laufkäfer
Lukas Lischer, AquaPlus

Pterostichus melanarius, eine von rund 535 Arten von Laufkäfern © Wiki/AfroBrazilian

In der Schweiz leben rund 535 Arten von Laufkäfern, die unterschiedlichste Ansprüche an ihre Lebensräume stellen. Sie gehören zu den am besten erforschten Käfergruppen, eine aktuelle Rote Liste zeigt ihre Gefährdung. Viele Arten sind flinke Läufer, der Grossteil von ihnen kann zudem fliegen – Sandlaufkäfer zählen gar zu den schnellsten Landlebewesen. Die meisten Laufkäfer sind nachtaktive Räuber, die ihre Beute geschickt aufspüren. Doch auch sie haben Feinde wie zum Beispiel das Grosse Mausohr, eine Fledermausart, die sich auf Grosslaufkäfer spezialisiert hat. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Vielfalt und ökologische Bedeutung dieser Insekten und zeigt, warum sie ein spannender Bestandteil der nächtlichen Natur sind.

 

16.10 – 16.30 Uhr

Einblicke in das erstaunliche Nachtleben verschiedener Nacktschneckenarten
Katja Lassauer, Museum Luzern

Eine von über 250 Schneckenarten © Katja Lassauer

Von Vielen ungeliebt und als nutzlose Schädlinge verschrien, sind Nacktschnecken doch viel besser als ihr Ruf. Oft wird übersehen, dass sich viele Nacktschneckenarten nicht von frischem Pflanzenmaterial ernähren. Indem sie organisches Material rezyklieren, tragen sie zur Fruchtbarkeit unserer Böden bei. Manche Arten sind sogar ausgesprochen nützlich im Garten, da sie die Eier anderer Schneckenarten verzehren. Es lohnt sich durchaus, sich intensiver mit diesen Tieren auseinanderzusetzten, um sie besser kennenzulernen. Ein kleiner Einblick in die nächtlichen Aktivitäten unserer heimischen Nacktschnecken, insbesondere ihrer zum Teil beeindruckenden Paarungsrituale, soll dazu beitragen, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen und sie als wichtigen Bestandteil eines gesunden Ökosystems zu verstehen.

16.30 – 16.50 Uhr

(G)Artenvielfalt Innerschweiz – Mit kleinen Schritten zur grossen Vielfalt
Philipp Christen, Albert Koechlin Stiftung

Der Igel ist eine Leitart im Projekt (G)Artenvielfalt Innerschweiz © Pixnio

Das Projekt (G)Artenvielfalt Innerschweiz der Albert Koechlin Stiftung zeigt, wie schon einfache Massnahmen die Biodiversität im Siedlungsraum fördern können. Drei Leitarten – Stieglitz, Igel und Mauerbienen – machen auf unterschiedliche Lebensräume aufmerksam und regen zu konkretem Handeln an. Über 180 ausgebildete (G)Arten-Coaches beraten direkt vor Ort und geben ihr Wissen praxisnah weiter. Seit April 2025 fanden bereits über 365 Coachings statt. Von naturnah gestalteten Gärten mit Asthaufen, Wildstauden oder durchlässigen Zäunen profitieren auch nachtaktive Tiere wie der Igel. Ziel des Projekts ist, dass möglichst viele Innerschweizer:innen selbst aktiv werden – aus Freude an der Natur, für die eigene Lebensqualität und mit Wirkung für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

 

16.50 – 17.00 Uhr

Fazit und Abschluss der Tagung
Maria Jakober

 

Ab 17.00 Uhr

Apéro

 

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1. Zentralschweizer Naturtagung

Referentinnen und Referenten

Michael Schaad, Schweizerische Vogelwarte

Mitarbeiter Marketing und Mediensprecher bei der Vogelwarte Sempach

 

 

 

© Manu Friederich

Daniela Pauli, Leiterin Forum Biodiversität Schweiz, Akademie der Naturwissenschaften SCNAT

Kaufmännische Angestellte, Biologin

Nach der Lehre als Kaufmännische Angestellte machte ich die Matura auf dem 2. Bildungsweg und studierte anschliessend Biologie. 1998 schloss ich mit einer Dissertation über die Pflanzenvielfalt in Flachmooren der Nordostschweiz an der Universität Zürich ab. Seither habe ich zwei Jobs: Einen als Leiterin des Forum Biodiversität, das ich ab 1999 aufbaute (aktuell 70 Stellenprozente), andererseits als Redaktorin der Zeitschrift Ornis bei BirdLife Schweiz (aktuell 30 Stellenprozente). Zudem bin ich Mitglied im Zentralvorstand von Pro Natura.

Vortrag

Florian Knaus, Wissenschaftlicher Koordinator, UNESCO Biosphäre Entlebuch

Umweltnaturwissenschafter ETH

Ich arbeite an der Schnittstelle von Forschung und Praxis im Natur- und Landschaftsschutzbereich und versuche, die verschiedenen Ansichten und Realitäten für beide Seiten zugänglich zu machen, damit bessere Lösungen für die Zukunft gefunden werden können. Nebenbei interessiere ich mich für alles was kreucht und fleucht, speziell die Vogelwelt.

Vortrag

Heidi Budmiger, wissenschaftliche Sachbearbeiterin, Amt für Wald und Landschaft Obwalden

Umweltingenieurin BSc

Innerhalb der Abteilung Wald und Natur des Kantons Obwalden bin ich zuständig für Artenschutz, Hecken, Moore und Naturschutzzonen sowie den Landschaftsschutz mit der Moorlandschaft Glaubenberg. Gefässpflanzen werden im Kanton Obwalden mehrheitlich über ihren Lebensraum (Naturschutzzonen, Bewirtschaftungsvereinbarungen und Waldreservate) geschützt. Mit dem Frauenschuh-Wiederansiedlungsprojekt wird eine gefährdete Art unterstützt.

Vortrag

Philipp Christen, Projektleiter, Albert Koechlin Stiftung

Primarlehrer, dipl. Ing Informatik FH

Projektleiter AKS

Vortrag

 

Heidi Vogler, Fachmitarbeiterin Landschaft und Wildhüterin, Dienststelle Landwirtschaft und Wald Luzern

Geografiestudium mit Bio im Nebenfach

Ich bin bei der Diensstelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern zuständig für die Wauwilerebene, das Wasser- und Zugvogelreservat Wauwilermoos sowie die Naturschutzzonen Hagimoos & Mauensee. Weiter bin ich Ansprechperson für Landschaftsthemen und Wildtierkorridore.

Vortrag

Priska Strickler, Fachbearbeiterin Arten und Lebensräume, Dienststelle Landwirtschaft und Wald Luzern

Master of Science ETH in Umweltnaturwissenschaften (MSc ETH Umwelt-Natw.), Vertiefung Wald- und Landschaftsmanagement

Bei der Diensstelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern bin ich schwerpunktmässig für den Amphibienschutz, das Bibermanagement sowie für Pflegearbeiten am Baldegger- und Hallwilersee zuständig.

Vortrag

Niklaus Troxler, Management Schutzgebiete, Pro Natura Luzern

Primarlehrer

Ich bin seit 35 Jahren bei Pro Natura Luzern angestellt. Als Geschäftsführer baute ich die Stelle in Luzern auf. Parallel dazu habe ich mich intensiv der Pflege, dem Unterhalt und der Weiterentwicklung der Schutzgebiete gewidmet. Im Ronfeld bin ich seit Projektbeginn im Jahre 2000, als satt grüne Wiesen und eine Schrebergartenanlage das Landschaftsbild prägten, als zentrale Person seitens Pro Natura Luzern aktiv.

Vortrag

Martin Buchs, Naturschutzbeauftragter Gemeinde Ebikon

Mechaniker

Mein grosses Interessen für die Ornithologie wurde zum Türöffner zum Naturschutz. So engagiere ich mich seit vielen Jahren als freiwilliger Mitarbeiter bei der Vogelwarte u.a. im Artenförderungsprogramm Schleiereule-Turmfalke. Als Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Ebikon interessiert mich Naturschutz vor allem auch im Siedlungsraum.

Vortrag