Natürliche Dunkelheit ist in unseren dicht besiedelten Landschaften fast verschwunden. Dabei ist sie für Menschen, Tiere und Pflanzen ebenso wichtig wie das Tageslicht. Einige Kantone beginnen deshalb, Dunkelkorridore auszuscheiden und konkrete Massnahmen umzusetzen. Lokale Gegebenheiten wie die Topografie können genutzt werden, um Zonen mit naturnaher Dunkelheit zu bewahren. Auch die Vollzugshilfe mit ihrem 7-Punkte-Plan, die Richtwerte gegen Blendung und Aufhellung sowie neue Technologien helfen, das nächtliche Licht zu reduzieren. Was zunächst dem Menschen dient, schützt zugleich die nachtaktive Tierwelt. Jeder Beitrag zählt: vom Abschirmen einer Lampe über den Einsatz warmweisser Leuchtmittel bis zum Verzicht auf unnötige Beleuchtung. So bleibt die Qualität von Biotopen auch in der Nacht erhalten.
13.50 – 14.10 Uhr
Problematik Vögel und Lichtverschmutzung Barbara Helm, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Tiere haben sich über Jahrmillionen an den täglichen und saisonalen Rhythmus von Tag und Nacht angepasst. Für Vögel sind diese Zyklen entscheidend für die Orientierung, das Zugverhalten und die Fortpflanzung. Künstliches Licht ist eine Neuerung, die diese Signale stört: Nachtziehende Arten werden angezogen und fehlgeleitet, andere beginnen mitten in der Nacht zu singen. Besonders Zugvögel leiden, weil sie von Lichtquellen irritiert werden und wertvolle Energie verlieren. Dass sich das tages- und jahreszeitliche Verhalten verändert, zeigt sich eindrücklich, wenn Rotkehlchen oder Amsel nachts unter Strassenlaternen singen. Der Vortrag macht deutlich, wie umfassend Lichtverschmutzung das Verhalten von Vögeln beeinflusst – mit besonderem Schwerpunkt auf den Vogelzug.
14.10 – 14.30 Uhr
Wildhutaufgaben zur Nachtzeit Daniel Schmid, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Kanton Luzern
Die Luzerner Wildhut ist auch nachts im Einsatz. Für die Jagdplanung müssen Bestände nachtaktiver Arten erhoben werden, etwa mit Wärmebildtechnik. Pilotversuche mit Drohnen liefern erste Erfahrungen beim Nachweis heimlich lebender, v.a. geschützter Arten wie dem Auerhuhn – und dies störungsärmer als frühere Feldsuchen. Weitere Aufgaben wie Kontrollen oder Schutzmassnahmen erfolgen ebenfalls in der Dunkelheit. Gerade weil viele Wildtiere nachts aktiv sind, ist ein Nachtjagdverbot im Wald sinnvoll. Moderne Technik erleichtert die Arbeit und ermöglicht Einblicke, die noch vor wenigen Jahren kaum möglich gewesen wären. Der Vortrag zeigt die Vielfalt nächtlicher Aufgaben der Wildhut und wie dadurch ein besseres Verständnis für Wildtiere entsteht.
14.30 – 14.50 Uhr
100 neue Weiher: wie weiter? Roger Hodel, Hodel Landschaftsarchitektur
Amphibien gehören zu den gefährdetsten Tiergruppen der Schweiz: Fast 80 % der Arten stehen aktuell auf der Roten Liste. Deshalb wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte zur Förderung ihrer Lebensräume gestartet. Zwischen 2012 und 2016 entstanden allein im Rahmen des Stillgewässerprojekts Luzern Nord über 80 neue Weiher, Tümpel und Nassmulden, 30 wurden saniert und über 3500 Laufmeter Bäche und Gräben aufgewertet. Doch wie entwickeln sich diese Gewässer heute? Werden sie gepflegt und welche Arten profitieren tatsächlich? Erste Ergebnisse zeigen Erfolge, aber auch Herausforderungen in der langfristigen Betreuung. Anhand konkreter Beispiele und Bildern bietet der Vortrag einen Überblick über die bisherigen Anstrengungen und wagt einen Ausblick auf die nächsten Jahre.
14.50 – 15.30 Uhr
Pause
15.30 – 15.50 Uhr
Fledermäuse – heimliche Jägerinnen der Nacht Michèle Odermatt, Theiler Landschaft und Regionale Koordinationsstelle Fledermausschutz Nidwalden
Lautlos und flink jagen Fledermäuse in der Dunkelheit nach Insekten, gesteuert durch ihr faszinierendes Echoortungssystem. Im Sommer bilden Weibchen sogenannte Wochenstuben, wo sie gemeinsam die Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Im Herbst, wenn Insektendichte und Temperaturen zurückgehen, ziehen sie sich in geschützte Winterquartiere zurück. Die Kleine Hufeisennase, einst in der Schweiz weit verbreitet, war um 1940 stark bedroht. Langsam erholt sich ihr Bestand wieder. In Obwalden überlebte sie, seit einigen Jahren wurden auch in Nidwalden und 2024 erstmals im Kanton Luzern Wochenstuben nachgewiesen. Als strukturgebundene Fliegerin benötigt die Kleine Hufeisennase vernetzte Landschaften zwischen Wochenstubenquartier und Jagdgebiet (Wald) mit Hecken, Waldrändern oder Obstgärten. Der Vortrag gibt einen Einblick in das Leben dieser kleinen Fledermaus.
In der Schweiz leben rund 535 Arten von Laufkäfern, die unterschiedlichste Ansprüche an ihre Lebensräume stellen. Sie gehören zu den am besten erforschten Käfergruppen, eine aktuelle Rote Liste zeigt ihre Gefährdung. Viele Arten sind flinke Läufer, der Grossteil von ihnen kann zudem fliegen – Sandlaufkäfer zählen gar zu den schnellsten Landlebewesen. Die meisten Laufkäfer sind nachtaktive Räuber, die ihre Beute geschickt aufspüren. Doch auch sie haben Feinde wie zum Beispiel das Grosse Mausohr, eine Fledermausart, die sich auf Grosslaufkäfer spezialisiert hat. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Vielfalt und ökologische Bedeutung dieser Insekten und zeigt, warum sie ein spannender Bestandteil der nächtlichen Natur sind.
16.10 – 16.30 Uhr
Einblicke in das erstaunliche Nachtleben verschiedener Nacktschneckenarten Katja Lassauer, Museum Luzern
Von Vielen ungeliebt und als nutzlose Schädlinge verschrien, sind Nacktschnecken doch viel besser als ihr Ruf. Oft wird übersehen, dass sich viele Nacktschneckenarten nicht von frischem Pflanzenmaterial ernähren. Indem sie organisches Material rezyklieren, tragen sie zur Fruchtbarkeit unserer Böden bei. Manche Arten sind sogar ausgesprochen nützlich im Garten, da sie die Eier anderer Schneckenarten verzehren. Es lohnt sich durchaus, sich intensiver mit diesen Tieren auseinanderzusetzten, um sie besser kennenzulernen. Ein kleiner Einblick in die nächtlichen Aktivitäten unserer heimischen Nacktschnecken, insbesondere ihrer zum Teil beeindruckenden Paarungsrituale, soll dazu beitragen, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen und sie als wichtigen Bestandteil eines gesunden Ökosystems zu verstehen.
16.30 – 16.50 Uhr
(G)Artenvielfalt Innerschweiz – Mit kleinen Schritten zur grossen Vielfalt Philipp Christen, Albert Koechlin Stiftung
Das Projekt (G)Artenvielfalt Innerschweiz der Albert Koechlin Stiftung zeigt, wie schon einfache Massnahmen die Biodiversität im Siedlungsraum fördern können. Drei Leitarten – Stieglitz, Igel und Mauerbienen – machen auf unterschiedliche Lebensräume aufmerksam und regen zu konkretem Handeln an. Über 180 ausgebildete (G)Arten-Coaches beraten direkt vor Ort und geben ihr Wissen praxisnah weiter. Seit April 2025 fanden bereits über 365 Coachings statt. Von naturnah gestalteten Gärten mit Asthaufen, Wildstauden oder durchlässigen Zäunen profitieren auch nachtaktive Tiere wie der Igel. Ziel des Projekts ist, dass möglichst viele Innerschweizer:innen selbst aktiv werden – aus Freude an der Natur, für die eigene Lebensqualität und mit Wirkung für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
Manchmal fehlen die Ideen für ein ökologisches Aufwertungsprojekt oder die Kenntnisse, wie eine Vision umgesetzt wird. Oder die Kontakte zu Menschen fehlen, die mithelfen können. An der Zentralschweizer Naturtagung sollen erfolgreiche Projekte allen Interessierten vorgestellt, Wissen geteilt und Kontakte gepflegt werden. In kurzen Beiträgen werden laufende Projekte im Natur- und Landschaftsschutz vorgestellt. Den Schwerpunkt dieses Jahr bilden die Themen Gewässer und Feuchtgebiete.
Die 5. Zentralschweizer Naturtagung fand am Samstag, 26. Oktober 2024 von 13 bis 17 Uhr an der Vogelwarte Sempach statt, und zwar im roten Forschungsgebäude (Seerose 1, Saal Aquila), gefolgt von einem biodiversen Apéro.
Am selben Vormittag war zudem die Bibliothek der Vogelwarte für Interessierte von 9 bis 13 Uhr geöffnet.
Gewässer gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt, sind aber auch besonders vom Artenverlust betroffen. Wir Menschen nutzen die Gewässer als Trinkwasserressource und für die Energiegewinnung. Für mehr Siedlungs- und Landwirtschaftsraum verbauen wir Ufer und ändern Flussläufe. Dünger, Pflanzenschutzmittel und andere Mikroverunreinigungen belasten die Gewässer. Wie geht es in diesem Zusammenhang den Fliessgewässern in der Schweiz? Dazu werden die Ergebnisse nationaler Monitoringprogramme in Bezug auf verschiedene ökologische Indikatoren beleuchtet, mit einem Fokus auf die besonders empfindlichen und für die Funktion der Fliessgewässer so wichtigen Makroinvertebraten. Zudem wagen wir einen Ausblick auf Massnahmen, die wir alle umsetzen können, um den ökologischen Zustand der Fliessgewässer positiv zu verändern.
13.50 – 14.10 Uhr
Quo vadis Fischereiregal? Peter Ulmann, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Kanton Luzern
Jagd- und Fischereiregale sind althergebrachte Rechte des Kantons für die Nutzung von Wildtieren und Fischen. Anders als die Wildtiere haben sich die Vorkommen der aquatischen Lebensgemeinschaften in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend entwickelt. Klimaveränderung, Stoffeinträge und invasive Arten setzen den aquatischen und semiaquatischen Ökosystemen enorm zu. Nicht nur Fliessgewässer zeigen eine starke Degradierung, sondern auch Seen. Der eingetretene oder sich abzeichnende Niedergang der Fischerei als Nutzung ist weit mehr als «nur» der Einbruch der Fänge. Es braucht ein neues Verständnis der Interessengruppen gegenüber ihrer Aufgabe (Kanton), Existenz (Berufsfischerei) und Passion (Angelfischerei). Der im Kanton Luzern dazu praktizierte Ansatz besteht darin, mögliche Perspektiven partizipativ mit den Stakeholdern zu entwickeln.
14.10 – 14.30 Uhr
Nicht nur Azur-, sondern auch Keiljungfern dürsten nach Licht und leiden bei zu viel Schatten Ruedi Wüst-Graf, Naturschutzbüro und Tierpräparation
In jeder Gemeinde bilden Bäche und Gräben wertvolle Vernetzungselemente. Ausserordentlich wichtig ist hierbei die Ausgestaltung des Gewässerumfelds. Besonders auf Fliessgewässer spezialisierte Libellen stellen hohe Ansprüche. Dank dem Gewässerschutzgesetz ist der Schutz geregelt, doch beim Gewässerraum ist vieles ungeklärt, wie die ständigen Streitigkeiten im Kanton Luzern belegen. Auch bei der Uferpflege liegt vieles im Argen. Primär ist diese notwendige Arbeit für Gemeinden, Kanton und Eigentümer ein Kostenfaktor, und dem biologischen Wert eines Fliessgewässers wird eher wenig Bedeutung zugemessen. Doch gerade hier könnte viel Zielführendes getan werden. Am Beispiel von Fliessgewässerlibellen wird aufgezeigt, was zu tun wäre und wie sich die Verantwortlichen, Vereine, aber auch Einzelpersonen einbringen können.
14.30 – 14.50 Uhr
Sind Geburtshelferkröten «Glögglifrösche»? Thomas Röösli, carabus Naturschutzbüro
Als «Glögglifrösche» werden mitunter etwas tollpatschige Personen bezeichnet, die mit reichlich Glück durchs Leben stolpern. Aber trifft diese Eigenschaft auch auf die zierlichen und gefährdeten Geburtshelferkröten zu, die im Volksmund ebenso genannt werden? Aufgrund ihrer einzigartigen Fortpflanzungsbiologie stellen sie besonders hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, und für ihr langfristiges Überleben sind sie auf reich strukturierte, gut vernetzte Lebensräume angewiesen. 25 Jahre Artenhilfsprogramm haben den Rückgang der Art im Kanton Luzern zwar gestoppt, aber dennoch ist ihre Zukunft ungewiss. Der Vortrag gewährt Einblick in die Biologie dieser Amphibienart und zeigt auf, wovon es abhängt, dass die geheimnisvollen Glockentöne nicht verstummen.
14.50 – 15.30 Uhr
Pause
15.30 – 16.10 Uhr
Ökologische Aufwertungen im Kaltbrunner Riet: technische Umsetzung und politische Herausforderungen Corina Del Fabbro, Pro Natura St. Gallen – Appenzell
Das Kaltbrunner Riet ist ein national bedeutendes Flachmoor, Amphibienlaichgebiet sowie Wasser- und Zugvogelreservat. Das Schutzgebiet umfasst zwei voneinander getrennte Kerngebiete. Die Fläche zwischen den Kerngebieten wurde landwirtschaftlich intensiv genutzt und die Böden über ein Netz von Drainageröhren entwässert. Entwässert wurden auch Bereiche innerhalb des nationalen Flachmoors. In einem aufwändigen Projekt wurde im Jahr 2022 das Flachmoor regeneriert und in der Zwischenzone eine Flutwiese geschaffen, welche die beiden Kerngebiete miteinander vernetzt. Die Hürden für dieses Projekt waren gross: Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer mussten überzeugt, Opportunitäten genutzt und Vertrauen geschaffen werden. Der Vortrag soll einerseits die technische Umsetzung vorstellen, andererseits beispielhaft aufzeigen, wie eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren gelingen kann.
16.10 – 16.30 Uhr
Optimaler Rhythmus der Mahd zur Pflege von Feuchtgebieten Thomas Sattler, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Wegen der fehlenden Dynamik von Wasserständen müssen heutzutage die meisten Feuchtgebiete regelmässig gemäht werden, damit sie nicht verbuschen. In vielen Gebieten des Mittellandes hat sich eine Mahd pro Jahr etabliert, auch weil dadurch die typischen und bedrohten Pflanzengesellschaften erhalten werden können. Zu den Auswirkungen der jährlichen Mahd auf andere Organismengruppen ist verhältnismässig wenig bekannt. Eine Langzeituntersuchung (30 Jahre) am Südufer des Neuenburgersees liefert dazu einmalige Resultate. Dabei wurden die Bestände von fünf häufigen Arten (Teichrohrsänger, Rohrammer, Rohrschwirl, Wasserralle und Bartmeise) in Abhängigkeit eines unterschiedlichen Mahdregimes untersucht. Die Resultate zeigen, dass für diese Vogelarten ein Mahdrhythmus alle 3 bis 6 Jahre optimal wäre.
16.30 – 16.50 Uhr
Alpnacherried: mit Schüttungen neue Lebensräume schaffen Andy Wyss, Ala – Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz, und Martin Schuck, BirdLife Schweiz
In den Jahren 2022/2023 entstanden durch Aufschüttungen im Mündungsbereich der Sarneraa in den Alpnachersee neue 7 ha Flachwasserzonen und 3 ha Flachmoorflächen. BirdLife Schweiz begleitete dieses Aufwertungsprojekt des Kantons Obwalden in Zusammenarbeit mit weiteren Naturschutzorganisationen. Erste Schutzmassnahmen zur Besucherlenkung wurden bereits umgesetzt, und weitere ökologische Aufwertungen sind in Planung. Das Alpnacherried ist ein bedeutendes Reservat der Ala, der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz. Ehrenamtliche des Ala-Reservatbetreuerteams führen dort im Frühling Brutvogelerfassungen durch. Zusammen mit der IG Haubenmeise haben sie ein begleitendes Monitoring ins Leben gerufen. Über dieses und weitere Themen wird berichtet.
Manchmal fehlen die Ideen für ein ökologisches Aufwertungsprojekt oder die Kenntnisse, wie eine Vision umgesetzt wird. Oder die Kontakte zu Menschen fehlen, die mithelfen können. An der Zentralschweizer Naturtagung sollen erfolgreiche Projekte allen Interessierten vorgestellt, Wissen geteilt und Kontakte gepflegt werden. In kurzen Beiträgen werden laufende Projekte im Natur- und Landschaftsschutz vorgestellt. Den Schwerpunkt dieses Jahr bildeten Themen rund um Artenförderung und Umweltbildung.
Die 4. Zentralschweizer Naturtagung fand am Samstag, 28. Oktober 2023 von 13 bis 17 Uhr an der Vogelwarte Sempach statt, und zwar im roten Forschungsgebäude (Seerose 1, Saal Aquila).
Am selben Vormittag war zudem die Bibliothek der Vogelwarte für Interessierte von 9 bis 13 Uhr geöffnet.
In den vergangenen acht Jahren wurden durch die Naturschutzfachstelle des Kantons Luzern zusammen mit ausgewiesenen Fachpersonen für folgende Artengruppen kommentierte Verbreitungsatlanten erstellt: Libellen, Heuschrecken, Reptilien, Amphibien. Im Vortrag wird dargestellt, wie der Erarbeitungsprozess abläuft, welcher Mehrwert für die praktische Naturschutzarbeit daraus resultiert und welche zentrale Rolle den Artenkennerinnen und Artenkennern im Erarbeitungsprozess zukommt.
13.50 – 14.10 Uhr
Lebensraum für Wiesel und Co. – Aufwertungsmassnahmen und Monitoring im Kanton Uri Fabian Haas, WWF Uri
Die zunehmend strukturarmen Kulturlandflächen bieten vielen Tier- und Pflanzenarten keinen passenden Lebensraum mehr. Mit geeigneten Strukturen für Wiesel und Co. kann in den Kulturlandschaften wieder ein reiches Netz von Lebensräumen entstehen. Das dient nicht nur den beiden Wieselarten – Hermelin und Mauswiesel –, sondern auch einer Vielzahl von anderen Tier- und Pflanzenarten. Der WWF setzt deshalb im Kanton Uri ein Förderprojekt für die zwei Wieselarten um. Dies beinhaltet neben konkreten Lebensraumaufwertungsmassnahmen auch Öffentlichkeitsarbeit und ein Monitoring.
14.10 – 14.30 Uhr
Glühwürmchen sind Botschafter! Thomas Röösli, carabus Naturschutzbüro
Das magische Leuchten der Glühwürmchen vermag viele Leute zu verzaubern. Entsprechend eignen sie sich besonders gut als Botschafter für mehr Natur- und Insektenschutz. Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Grosse Glühwürmchen überall häufig. Die intensive Landnutzung und Zersiedelung, insbesondere auch die Lichtverschmutzung, haben der Art jedoch stark zugesetzt. Um Schutz- und Fördermassnahmen zu entwickeln, ist es unverzichtbar, deren aktuelle Verbreitung zu kennen. Damit eröffnet sich gerade für Naturschutzvereine ein attraktives Betätigungsfeld. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, wie mit einfachen Mitteln die Verbreitung des Grossen Glühwürmchens festgestellt werden kann. Der Autor erzählt aus eigenen Feldstudien und gibt Hinweise, wo und mit welchen Methoden Glühwürmchen gefunden werden können.
14.30 – 14.50 Uhr
Durch Trockenstress beeinträchtigte Wälder für die Biodiversität sichern Peter Lakerveld, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Trockene Sommer aufgrund des Klimawandels hinterlassen in den Wäldern der Schweiz ihre Spuren: Viele Bäume haben lichte Kronen und sterben ab. So dramatisch und problematisch diese Entwicklungen auch sind, stellen sie doch auch eine Chance dar. Aus Sicht der Biodiversität sind diese Flächen nämlich für einige Jahre sehr wertvoll, weil unterschiedliche Vegetationsformen entstehen und Totholz vielen gefährdeten Arten Lebensraum bietet. Das Projekt «Trockenstress als Chance» der Vogelwarte strebt darum an, absterbende Waldflächen für eine bestimmte Zeit der Natur zu überlassen. Nach den positiven Erfahrungen der Startphase im Pilotkanton Basel-Landschaft wird das Projekt ab diesem Jahr auf den Kanton Luzern ausgeweitet.
14.50 – 15.30 Uhr
Pause
15.30 – 15.50 Uhr
Naturbeobachtungen machen Spass Peter Knaus, BirdLife Luzern
Vögel sind attraktive Botschafter der Biodiversität und eignen sich übers ganze Jahr für Anlässe. In der kalten Jahreszeit sind sie zudem wegen des fehlenden Laubs einfacher zu entdecken. Dann halten sich auch viele Waldvögel gerne in Siedlungen auf. Die Aktion «Stunde der Wintervögel» verbindet all dies und animiert die Bevölkerung, die Vielfalt vor der eigenen Haustüre zu entdecken. Seit vier Jahren führt BirdLife Luzern diese Zählaktion jeweils Anfang Januar durch. Das Wichtigste dabei ist, dass möglichst viele Leute mitmachen. Denn: Vögel beobachten macht Spass, und viele Vögel in der Umgebung machen Menschen glücklicher. Das Ziel der Aktion ist eine Sensibilisierung und eine Bewusstseinsbildung für die Vielfalt, die rund ums Haus, im Garten, im Quartier oder im Park anzutreffen ist. Die Stunde der Wintervögel wird auch in Deutschland, Österreich, Tschechien sowie ab 2024 in weiteren Ländern durchgeführt.
15.50 – 16.10 Uhr
Sprechen wir doch mal über Geld Ann Walter, BirdLife Schweiz
Naturschutzarbeit ist in aller Regel ressourcenlimitiert – entweder fehlt es an Arbeitskraft oder am Geld, in der Regel an beidem, nicht aber an wichtigen Projekten. Dabei gibt es je nach Art und Grösse der Aufgaben Finanzquellen, die wir uns erschliessen können. Ein Projektbeschrieb, der auf die zentralen Fragen möglicher Geldgeber passende Antworten bereithält, öffnet Türen. Gut zu wissen also, was zwingend in einen Projektbeschrieb gehört und wie man zielgruppengerecht seinen Finanzbedarf kommuniziert.
16.10 – 16.30 Uhr
Das Naturlehrgebiet als Modell für Umweltbildung Dominik Henseler, Naturlehrgebiet Buchwald
Ein Blick aus dem Fenster zeigt uns, Umweltbildung ist wichtiger denn je. Das Team des Naturlehrgebiets setzt sich seit über 50 Jahren mit Sensibilisierungsarbeit und Umweltbildung dafür ein, dass die Faszination für die Natur geweckt und der Wert der Lebensvielfalt erkannt wird. Viele tausend Schülerinnen und Schüler lernen an diesem ausserschulischen Lernort didaktisch fundiert Pflanzen, Tiere und Lebensräume kennen. Nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Neugier, Freude und Ehrfurcht soll geweckt werden. Weiter schafft das Gebiet auch durch die Nutzung als Naherholungsort einen Bezug zur Natur. Von der nötigen Pflege profitieren Tiere und Pflanzen. Ein Blick hinter das Modell Naturlehrgebiet soll Einsicht schaffen und zur Nachahmung motivieren.
16.30 – 16.50 Uhr
Umweltberatung Luzern: vom Bauwagen via fensterlosen «Bunker» zur professionellen
Dienstleisterin für den ganzen Kanton
Die Umweltberatung Luzern, vielen noch unter dem Begriff «öko-forum» bekannt, hat eine spannende Geschichte. Sie wurde 1987 als offizielle städtische Umweltberatung gegründet. Seit 2001 stehen unsere Dienstleistungen kostenlos für das gesamte Kantonsgebiet zur Verfügung. Der Beitrag gibt einen Einblick in die vielschichtige Beratungstätigkeit und zeigt, welche spannenden Aufgaben daneben noch wahrgenommen werden. Dazu gehören Aufbau und Pflege der Webseite, das Veranstaltungsprogramm mit Energie- und Naturanlässen, die Ausleihe von Geräten, die Umweltbibliothek und auch unterschiedlichste Kommunikationsaufgaben. Seit kurzem existiert auch die Plattform «Freiwilligeneinsätze», die direkt durch Organisationen genutzt werden kann.
16.50 – 17.00 Uhr
Fazit und Abschluss der Tagung
Michael Schaad, Schweizerische Vogelwarte Sempach
Manchmal fehlen die Ideen für ein ökologisches Aufwertungsprojekt oder die Kenntnisse, wie eine Vision umgesetzt wird. Oder die Kontakte zu Menschen fehlen, die mithelfen können. An der Zentralschweizer Naturtagung sollen erfolgreiche Projekte allen Interessierten vorgestellt, Wissen geteilt und Kontakte gepflegt werden. In kurzen Beiträgen werden laufende Projekte im Natur- und Landschaftsschutz vorgestellt. Den Schwerpunkt dieses Jahr bildeten Themen rund um Renaturierung und Artenförderung.
Die 3. Zentralschweizer Naturtagung fand am Samstag, 29. Oktober 2022 von 13 bis 17 Uhr an der Vogelwarte Sempach statt, und zwar im roten Forschungsgebäude (Seerose 1, Saal Aquila).
Am selben Vormittag war zudem die Bibliothek der Vogelwarte für Interessierte von 9 bis 13 Uhr geöffnet.