Programm
Ab 12.00 Uhr
Kaffee und Kuchen
Büchertisch und Informationen über Vögel und Naturschutz
Von 9 bis 13 Uhr ist zudem die Bibliothek der Vogelwarte geöffnet
13.00 – 13.10 Uhr
Begrüssung
Maria Jakober
13.10 – 13.50 Uhr
Mission Dunkelheit: jedem Biotop natürliches Licht
Lukas Schuler, DarkSky Switzerland

Natürliche Dunkelheit ist in unseren dicht besiedelten Landschaften fast verschwunden. Dabei ist sie für Menschen, Tiere und Pflanzen ebenso wichtig wie das Tageslicht. Einige Kantone beginnen deshalb, Dunkelkorridore auszuscheiden und konkrete Massnahmen umzusetzen. Lokale Gegebenheiten wie die Topografie können genutzt werden, um Zonen mit naturnaher Dunkelheit zu bewahren. Auch die Vollzugshilfe mit ihrem 7-Punkte-Plan, die Richtwerte gegen Blendung und Aufhellung sowie neue Technologien helfen, das nächtliche Licht zu reduzieren. Was zunächst dem Menschen dient, schützt zugleich die nachtaktive Tierwelt. Jeder Beitrag zählt: vom Abschirmen einer Lampe über den Einsatz warmweisser Leuchtmittel bis zum Verzicht auf unnötige Beleuchtung. So bleibt die Qualität von Biotopen auch in der Nacht erhalten.
13.50 – 14.10 Uhr
Problematik Vögel und Lichtverschmutzung
Barbara Helm, Schweizerische Vogelwarte Sempach

Tiere haben sich über Jahrmillionen an den täglichen und saisonalen Rhythmus von Tag und Nacht angepasst. Für Vögel sind diese Zyklen entscheidend für die Orientierung, das Zugverhalten und die Fortpflanzung. Künstliches Licht ist eine Neuerung, die diese Signale stört: Nachtziehende Arten werden angezogen und fehlgeleitet, andere beginnen mitten in der Nacht zu singen. Besonders Zugvögel leiden, weil sie von Lichtquellen irritiert werden und wertvolle Energie verlieren. Dass sich das tages- und jahreszeitliche Verhalten verändert, zeigt sich eindrücklich, wenn Rotkehlchen oder Amsel nachts unter Strassenlaternen singen. Der Vortrag macht deutlich, wie umfassend Lichtverschmutzung das Verhalten von Vögeln beeinflusst – mit besonderem Schwerpunkt auf den Vogelzug.
14.10 – 14.30 Uhr
Wildhutaufgaben zur Nachtzeit
Daniel Schmid, Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa), Kanton Luzern

Die Luzerner Wildhut ist auch nachts im Einsatz. Für die Jagdplanung müssen Bestände nachtaktiver Arten erhoben werden, etwa mit Wärmebildtechnik. Pilotversuche mit Drohnen liefern erste Erfahrungen beim Nachweis heimlich lebender, v.a. geschützter Arten wie dem Auerhuhn – und dies störungsärmer als frühere Feldsuchen. Weitere Aufgaben wie Kontrollen oder Schutzmassnahmen erfolgen ebenfalls in der Dunkelheit. Gerade weil viele Wildtiere nachts aktiv sind, ist ein Nachtjagdverbot im Wald sinnvoll. Moderne Technik erleichtert die Arbeit und ermöglicht Einblicke, die noch vor wenigen Jahren kaum möglich gewesen wären. Der Vortrag zeigt die Vielfalt nächtlicher Aufgaben der Wildhut und wie dadurch ein besseres Verständnis für Wildtiere entsteht.
14.30 – 14.50 Uhr
100 neue Weiher: wie weiter?
Roger Hodel, Hodel Landschaftsarchitektur

Amphibien gehören zu den gefährdetsten Tiergruppen der Schweiz: Fast 80 % der Arten stehen aktuell auf der Roten Liste. Deshalb wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte zur Förderung ihrer Lebensräume gestartet. Zwischen 2012 und 2016 entstanden allein im Rahmen des Stillgewässerprojekts Luzern Nord über 80 neue Weiher, Tümpel und Nassmulden, 30 wurden saniert und über 3500 Laufmeter Bäche und Gräben aufgewertet. Doch wie entwickeln sich diese Gewässer heute? Werden sie gepflegt und welche Arten profitieren tatsächlich? Erste Ergebnisse zeigen Erfolge, aber auch Herausforderungen in der langfristigen Betreuung. Anhand konkreter Beispiele und Bildern bietet der Vortrag einen Überblick über die bisherigen Anstrengungen und wagt einen Ausblick auf die nächsten Jahre.
14.50 – 15.30 Uhr
Pause
15.30 – 15.50 Uhr
Fledermäuse – heimliche Jägerinnen der Nacht
Michèle Odermatt, Theiler Landschaft und Regionale Koordinationsstelle Fledermausschutz Nidwalden

Lautlos und flink jagen Fledermäuse in der Dunkelheit nach Insekten, gesteuert durch ihr faszinierendes Echoortungssystem. Im Sommer bilden Weibchen sogenannte Wochenstuben, wo sie gemeinsam die Jungen zur Welt bringen und aufziehen. Im Herbst, wenn Insektendichte und Temperaturen zurückgehen, ziehen sie sich in geschützte Winterquartiere zurück. Die Kleine Hufeisennase, einst in der Schweiz weit verbreitet, war um 1940 stark bedroht. Langsam erholt sich ihr Bestand wieder. In Obwalden überlebte sie, seit einigen Jahren wurden auch in Nidwalden und 2024 erstmals im Kanton Luzern Wochenstuben nachgewiesen. Als strukturgebundene Fliegerin benötigt die Kleine Hufeisennase vernetzte Landschaften zwischen Wochenstubenquartier und Jagdgebiet (Wald) mit Hecken, Waldrändern oder Obstgärten. Der Vortrag gibt einen Einblick in das Leben dieser kleinen Fledermaus.
15.50 – 16.10 Uhr
Vielfältige Laufkäfer
Lukas Lischer, AquaPlus

In der Schweiz leben rund 535 Arten von Laufkäfern, die unterschiedlichste Ansprüche an ihre Lebensräume stellen. Sie gehören zu den am besten erforschten Käfergruppen, eine aktuelle Rote Liste zeigt ihre Gefährdung. Viele Arten sind flinke Läufer, der Grossteil von ihnen kann zudem fliegen – Sandlaufkäfer zählen gar zu den schnellsten Landlebewesen. Die meisten Laufkäfer sind nachtaktive Räuber, die ihre Beute geschickt aufspüren. Doch auch sie haben Feinde wie zum Beispiel das Grosse Mausohr, eine Fledermausart, die sich auf Grosslaufkäfer spezialisiert hat. Der Vortrag gibt einen Einblick in die Vielfalt und ökologische Bedeutung dieser Insekten und zeigt, warum sie ein spannender Bestandteil der nächtlichen Natur sind.
16.10 – 16.30 Uhr
Einblicke in das erstaunliche Nachtleben verschiedener Nacktschneckenarten
Katja Lassauer, Museum Luzern

Von Vielen ungeliebt und als nutzlose Schädlinge verschrien, sind Nacktschnecken doch viel besser als ihr Ruf. Oft wird übersehen, dass sich viele Nacktschneckenarten nicht von frischem Pflanzenmaterial ernähren. Indem sie organisches Material rezyklieren, tragen sie zur Fruchtbarkeit unserer Böden bei. Manche Arten sind sogar ausgesprochen nützlich im Garten, da sie die Eier anderer Schneckenarten verzehren. Es lohnt sich durchaus, sich intensiver mit diesen Tieren auseinanderzusetzten, um sie besser kennenzulernen. Ein kleiner Einblick in die nächtlichen Aktivitäten unserer heimischen Nacktschnecken, insbesondere ihrer zum Teil beeindruckenden Paarungsrituale, soll dazu beitragen, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen und sie als wichtigen Bestandteil eines gesunden Ökosystems zu verstehen.
16.30 – 16.50 Uhr
(G)Artenvielfalt Innerschweiz – Mit kleinen Schritten zur grossen Vielfalt
Philipp Christen, Albert Koechlin Stiftung

Das Projekt (G)Artenvielfalt Innerschweiz der Albert Koechlin Stiftung zeigt, wie schon einfache Massnahmen die Biodiversität im Siedlungsraum fördern können. Drei Leitarten – Stieglitz, Igel und Mauerbienen – machen auf unterschiedliche Lebensräume aufmerksam und regen zu konkretem Handeln an. Über 180 ausgebildete (G)Arten-Coaches beraten direkt vor Ort und geben ihr Wissen praxisnah weiter. Seit April 2025 fanden bereits über 365 Coachings statt. Von naturnah gestalteten Gärten mit Asthaufen, Wildstauden oder durchlässigen Zäunen profitieren auch nachtaktive Tiere wie der Igel. Ziel des Projekts ist, dass möglichst viele Innerschweizer:innen selbst aktiv werden – aus Freude an der Natur, für die eigene Lebensqualität und mit Wirkung für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
16.50 – 17.00 Uhr
Fazit und Abschluss der Tagung
Maria Jakober
Ab 17.00 Uhr
Apéro